Nina Schedlmayer / Haus im See / Parnass Heft 3

Wer am 3. September 2012 die Alliiertenstraße im 2. Wiener Bezirk durchquerte, der begegnete an deren Ende zwei Männer die ein Haus aus Sperrholz aufbauten. Bis spät in die Nacht werkten Manfred Grübl und Werner Schrödl an dem Bau, dessen modernistischer Anstrich von einem Satteldach konterkariert wurde. Sie verwiesen damit auf ein osmanisch-islamisches Gewohnheitsrecht („Gecekondu), das in der Türkei seit 1966 gilt: Dieses erlaubt, eine auf öffentlichem Grund binnen eines Tages, also über Nacht erbaute Behausung stehen zu lassen und zu bewohnen - sie darf von staatlicher Seite nicht abgerissen werden. In Wien hätten Grübl und Schrödl freilich gröbere Probleme bekommen, hätten sie ihr Haus stehen gelassen. Und so transferierten sie es anderntags an, genauer: in den Attersee, wo es auf einer schwimmenden Struktur seinen Platz fand. Während die Seegrundstücke rundherum zunehmend exklusiver werden, setzten sich die Künstler, ganz legal und gratis, mit ihren Hütchen genau dorthin, wo die Umgebung am schönsten ist. Fotos zeigen, wie sie Tag und Abend dort verbringen. Obwohl die Arbeit gemeinsam entwickelt wurde, finden sich verweise auf die jeweilige Kunst der beiden: Die Taktik, sich einfach Räume anzueignen die dafür nicht gerade gedacht sind, verfolgte Grübl schon mit seinem „Personellen Installationen“, wo er Schauspieler zur Verwirrung von Vernissagengästen bei Eröffnungen in möglichst prominenten Kunstinstitutionen postierte. Und die fotografische Umsetzung der Aktion lässt an Schrödl Fotoarbeiten, in denen sich Geheimnisvolles ereignet, denken. Auch für andere Projekt arbeiteten die beiden, die schon lange befreundet sind, zusammen. Ob das wohl immer so einträchtig vor sich geht, wie die idyllischen Fotos vom Haus im See nahelegen?

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